Alexandra Deutsch Schriftstellerin
Alexandra DeutschSchriftstellerin

Leseprobe aus meinem Buch "Der Engel hinter mir"

11. Die Vision in der Stadtteilkirche!

 

 

Mai 2010.

Es waren jetzt insgesamt sechs Jahre, in denen ich nichts von ihr gehört hatte. Dieses Jahr musste etwas passieren. Dieses Jahr wurde sie 70! Das wird man nur einmal! Und meiner Mutter wollte ich es nicht kaputtmachen – trotz allem. Aber wie nur sollte ich das alles unter einen Hut bringen? Mir selbst treu bleiben und eine Aussprache fordern oder ihr zuliebe wieder alles ungeschehen machen – und das ohne Adresse und Telefonnummer? Mit all diesen Fragen quälte ich mich zunehmend. Der 11. Oktober war Stichtag! Ich hoffte ab sofort täglich auf eine Eingebung Gottes, zu dem ich in den letzten Monaten wieder vermehrter gesprochen hatte – oder auch von den Engeln! Aber es herrschte auch hier Funkstille. Als ich eines Tages an der Kirche unserer Gemeinde vorbeilief, sah ich einen Aushang: Meditationsabend. „Was will Gott mir sagen!“

 

Ok, das war es! Ich war noch nie in einem Mediationsabend gewesen und wusste auch nicht wirklich, was ich davon halten sollte. Aber dieses Schild und mein Problem passten einfach zu gut zusammen. Die Stimme in mir war so stark – sie zu überhören wäre unmöglich gewesen. Also ging ich hin! Brav und andächtig – um mit Gott zu plaudern?! Es fand an einem gewöhnlichen Abend unter der Woche so gegen 19.00 Uhr statt.

 

Keiner war da! Nur die Frau aus der Kirche, die den Meditations-abend führen sollte. Wir warteten noch eine gewisse Zeit und wunderten uns beide, dass wir die Einzigen waren. Jetzt war mir noch seltsamer zumute. War ich hier wirklich richtig? Ich erinnerte mich an mein Problem und die „Klärung mit Gott“! Also blieb ich und der Meditationsabend begann.

 

Sie führte mich durch die Kirche in einen hinteren, ruhigen, fast abgelegenen und geschützten Bereich. Dunkelgedrechselte Holz-stühle waren im Kreis aufgestellt, oben am Sims des alten Gemäuers standen viele goldumrahmte, heilige Bilder und Kerzen. Sie zündete diese an und betete vor den vielen heiligen Bildern, von denen ich bis dahin noch nie was gehört hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu vertrauen! Und dann folgte eine endlose Stille... Ich hatte das Gefühl, diese Stille würde nie mehr aufhören. Es war fast schon beängstigend.   
Hier saß ich nun auf meinem Stuhl in diesem ruhigen, zurück-gezogenen Kircheneck, umhüllt von Weihrauch und den lodernden Kerzen und fragte mich: „Wo im Namen des Herrn, bekomme ich jetzt eine Antwort auf die in mir so brennende Frage?“

 

Dann... plötzlich Bilder: Vor meinen geschlossenen Augen tauchten sie auf, wie aus einem Film. Voller hungriger Erwartung ließ ich es geschehen. Es fühlte sich an wie ein Sog in eine andere Zeit und dennoch war ich klar bei mir. Meine Seele ging einfach spazieren – federleicht, so als ob ich das täglich tun würde. Sie war im Raum nebenan bei den dunklen gedrechselten Gebetsbänken aus Holz gelandet. Ich fragte mich innerlich, was das jetzt sollte. Ich riss mich zusammen und folgte meinem Gefühl, weiterzugehen... einfach weiterzugehen!

 

Gut, ich saß jetzt auf dieser dunklen Gebetsbank in der ersten Reihe und nun? Meine Antwort bitte! Darauf bekam ich ein weiteres Bild…

 

Ich sah eine junge Frau in wahnsinniger Hingabe und umhüllt von inniger, ja fast schon grenzenloser Liebe hielt sie ihr Baby hoch. Es glich fast schon einer Siegespose, dem Annehmen eines Pokals. Seltsamerweise fühlte es sich auch nicht wirklich so an, als ob zwei Personen dastünden, sondern eher, wie eine „Verschmelzung“ von Mutter und Kind. Die Aura war voll von Licht und Liebe. Die Kraft der Strahlen durchdrang fast die ganze Kirche. Als ob es nichts anderes auf der Welt gäbe, als diesen Zustand der Endlosigkeit und des vollkommenen Glücks. Ich war gefangen in dem Moment der ewig zu dauern schien. Gefangen von dem Glückszustand der beiden. Ich wollte mich einfach nicht von dem Bild abwenden, doch meine Aufmerksamkeit wurde nach rechts gelenkt…

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© Alexandra Deutsch